
Capoeira Workshop 2021 Freiburg
Zwischen Stillstand und Bewegung
Der Capoeira Workshop 2020/2021 Freiburg war kein gewöhnlicher Workshop.
Er war ein Bruch – und gleichzeitig ein Beweis dafür, was bleibt, wenn Strukturen wegfallen.
Was sonst im Frühling seinen festen Platz im Jahreskalender hatte, musste 2020 vollständig ausfallen. Der Lockdown ließ keinen Raum für Begegnung, kein gemeinsames Training, keine Batizado.
Und doch hörte Capoeira nicht auf.
Training in einer anderen Welt
Was folgte, war eine Zeit, die sich nicht planen ließ – sondern nur gestalten.
Statt Gruppen gab es Einzeltrainings. Draußen. An Orten, die plötzlich zu Trainingsräumen wurden: Wiesen, Wege, Spielplätze, Hinterhöfe – jeder an seinem eigenen Lieblingsort, nah am eigenen Zuhause.
Unter strengen Abstands- und Aufenthaltsregeln entstand etwas Neues: Training im Schnee. Training im Regen. Training im Hagel. Training in der Sonne.
Ergänzt durch Onlineangebote – für alle, die keinen Platz im Einzeltraining bekommen konnten oder an bestimmten Tagen nicht teilnehmen konnten.
Später folgten Kleingruppen für Kinder und Jugendliche. Wieder draußen. Wieder unter allen Bedingungen. Wieder mit allem, was das Wetter zu bieten hatte.
Und irgendwann – vorsichtig, schrittweise, mit hohem Reinigungs-, Hygiene- und Organisationsaufwand – die Rückkehr in die Hallen.
Mit Abstand. Mit Hygieneplänen. Mit Verantwortung.
Erst für die Kinder und Jugendlichen. Dann, als es die Auflagen erlaubten, auch wieder für die Erwachsenen.
Oktober 2021 – Ein vorsichtiger Neuanfang
Erst im Herbst 2021 war es möglich, wieder einen Workshop stattfinden zu lassen.
Nicht wie zuvor. Aber bewusst.
Unter strengen Test- und Hygieneauflagen und mit enormem organisatorischen Aufwand entstand ein Format, das vor allem eines wollte: allen so viel Normalität wie möglich unter sicheren Bedingungen ermöglichen.
Für viele war dieser Workshop mehr als ein Event.
Er war ein Moment des Ankommens. Ein Wiedersehen. Ein Stück zurückgewonnene Normalität.
Und für die Kinder und Jugendlichen, die während der Pandemie begonnen oder durchgehalten hatten, wurde dieser Moment besonders gewürdigt – mit Batizado und Troca de Corda.
Ausschließlich für jene Kinder, die diesen Weg mitgegangen waren.
Wer hier stand, hatte es verdient.
Nicht nur durch Training. Sondern durch Durchhaltevermögen – emotional wie körperlich. Durch Hürden, die niemand geplant hatte. Durch ein Weitermachen, das alles andere als selbstverständlich war.
Sich und uns zu feiern – das war 2021 kein leerer Satz.
Gäste und besondere Begegnungen
Auch in dieser besonderen Zeit wurde der Workshop 2021 von wichtigen Persönlichkeiten begleitet.
Mit Mestre Tesourinha – ursprünglich aus Olinda, direkt neben Recife, und Gründer von Meia Lua Inteira Baden – war wie in jedem Jahr eine konstante Verbindung zur Herkunft und Linie der Gruppe präsent.
Neu hinzu kam Mestre Cobra von Meia Lua Inteira Bologna – ebenfalls ursprünglich aus Olinda.
Sein erstes Erscheinen bei unserem Workshop brachte eine weitere Stimme aus derselben Tradition ein. Er leitete Trainings für die Erwachsenen – und übernahm gemeinsam mit Mestre Tesourinha auch die Batizado und die Troca de Corda für ausschließlich die Kinder, die die Pandemiezeit durchgehalten hatten und dabei geblieben waren.
Trotz aller Einschränkungen blieb damit etwas erhalten, das den Workshop seit Beginn prägt: Begegnung. Austausch. Verbindung.
Gäste beim Capoeira Workshop 2021 Freiburg
- Mestre Tesourinha (Meia Lua Inteira Baden)
- Mestre Cobra (Meia Lua Inteira Bologna)
- Graduado Parafina (Meia Lua Inteira Baden)
- Graduado Dobradiça (Meia Lua Inteira Baden)
Das Motiv des Workshop 2021 – Das Martinstor (Teil 1)
Das Motiv dieser Jahre zeigt das Martinstor – eines der bekanntesten Wahrzeichen der Freiburger Innenstadt.
Ein Ort mit Geschichte. Ein Teil der alten Stadtbefestigung. Ein Tor – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Grafisch ist das Bild klar und reduziert: Grün auf Schwarz. Fast wie ein Linolschnitt. Keine weichen Übergänge, keine Ornamente – nur das Wesentliche, präzise gesetzt.
Eine Bildsprache, die zur Zeit passt, aus der dieses Motiv stammt.
Und doch steckt das Bild voller Details – wer genauer hinschaut, entdeckt mehr:
Das Motiv ist durchzogen von Elementen aus der Welt der Capoeira, eingebettet in die Architektur des Tors:
- Über dem Durchgang kreuzen sich zwei Berimbau wie ein Spalier
- Im Durchgang selbst begegnen sich zwei Capoeirista im Spiel
- Das Ziffernblatt der Uhr wird zum Pandeiro
- Fensterläden verwandeln sich in Caxixis
- Türme und Erker werden zu Atabaques
- Die Fenster tragen die Form von Agogôs
Das Martinstor selbst trägt eine zusätzliche Bedeutungsebene: Durch sein Tor fährt heute die Straßenbahnlinie von Günterstal nach Brühl – und damit durch einen Stadtteil, in dem einer unserer ältesten Trainingsstandorte liegt. Die Lortzingschulhalle in Brühl ist bis heute Teil unserer Arbeit und Ort unseres jährlichen Workshops.
Das Bild ist dicht. Verspielt. Voller Details, die man suchen muss.
Und gleichzeitig klar in seiner Aussage: Capoeira ist hier. Und sie ist geblieben.
Was vom Workshop 2021 bleibt
Rückblickend ist dieser Workshop schwer mit den anderen zu vergleichen.
Er war kleiner. Leiser. Aufwendiger.
Und vielleicht gerade deshalb intensiver.
Er zeigt, dass Capoeira nicht an Orte gebunden ist. Nicht an Formate. Nicht an gewohnte Abläufe.
Sondern an Menschen.
An diejenigen, die bleiben. Die weitermachen. Die Wege finden – auch wenn keine vorgezeichneten da sind.
2020/2021 ist kein Kapitel der Kontinuität.
Es ist ein Kapitel der Haltung.
Axé.
Wer die Entwicklung weiterverfolgen möchte, findet im nächsten Schritt den Capoeira Workshop 2022 Freiburg sowie alle weiteren Jahre und ihre jeweiligen Motive im Karussell am Seitenende.
Wer unsere Trainingsarbeit näher kennenlernen möchte, findet weitere Informationen auf der Seite „Über uns“ oder kann direkt Kontakt mit uns aufnehmen.
Häufige Fragen zum Capoeira Workshop 2021 Freiburg
Warum fiel der Workshop 2020 vollständig aus?
Der jährlich im Frühling stattfindende Workshop konnte 2020 aufgrund des Lockdowns nicht stattfinden. Gruppentraining war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich – weder in der Halle noch in einem organisierten Außenrahmen.
Wie wurde in der Pandemiezeit weitertrainiert?
Mit Einzeltrainings an Lieblingsorten im Freien, ergänzt durch Onlineangebote und später Kleingruppen für Kinder und Jugendliche – unter jeweils geltenden Abstands- und Hygieneregeln und bei jedem Wetter.
Warum wurde das Martinstor-Motiv zweimal verwendet?
Das Martinstor steht für einen Durchgang und ein Wiederankommen – ein Bild, das nach der Pandemiezeit für 2022 ebenso stimmig war wie für 2021. Es ist das bisher einzige Motiv, das wir bewusst ein zweites Mal genutzt haben.
Was macht das Motiv des Martinstore besonders?
Das Motiv verbindet eines der zentralen Wahrzeichen Freiburgs mit der Welt der Capoeira: Berimbau, Pandeiro, Caxixis, Atabaques und Agogôs finden sich als versteckte Details im gesamten Bild – und sogar die Straßenbahnlinie durch das Tor ist Teil des Motivs.
Impressionen vom Capoeira Workshop 2021 in Freiburg
mit Batizado & Troca de Corda

















